Erster Alleinflug jenseits der 50

Freiflug Sven
Bild: Alleinflieger Sven (ganz rechts) mit den Fluglehrern Chris, Peter, Klaus und Benni (von links).

Seit 40 Jahren bin ich schon begeistert vom Segelfliegen. Seit ich als Jugendlicher mit dem ferngesteuerten Modellfliegen angefangen habe, begeistert mich das Fliegen. Irgendwie bin ich nie zum „richtigen“ Fliegen gekommen, obwohl doch der Verein so nah vor der Haustüre war. Ein paar Rundflüge mit Motorflieger und Segelflieger alle paar Jahre ließen den Traum am Leben, aber manchmal liegen die Prioritäten mit Familie und Beruf eben anders.
Tja, bis meine Tochter Emma vor drei Jahren nach einem Schnupper-Wochenende meinte, das würde ihr auch Spaß machen und ob wir nicht gemeinsam mit dem Fliegen anfangen wollen – TSCHAKKA!
Die Tochter legitimiert einen Vater natürlich schon eher, den einen oder anderen Samstag oder Sonntag auf dem Roßfeld beim Fliegen zu verbringen. Meine Frau Ulrike unterstützt das großartig, solange ich es nicht übertreibe. Aber eine Gratwanderung ist das immer - welcher Segelflieger kennt das nicht?
Die letzten 2 1/2 Jahre waren Lust und Frust. Wie viel Spaß macht Segelfliegen! Wie faszinierend ist das Fliegen über der schwäbischen Alb! Wie motivierend ist es, von Flug zu Flug immer mehr von der Steuerung des Flugzeugs zu übernehmen, immer mehr selbst zu machen. Windenstart, fliegen und sich selber im Bart nach oben zu kurbeln, landen.
Und wie frustrierend ist es, wenn wieder die Tragfläche hängt, wenn man aus dem Bart wieder rausfällt, wenn man schiebt, wenn man zu hoch anfliegt, zu niedrig, zu langsam, zu schnell, zu früh, zu spät abfängt, der blöde Faden mal hierhin, mal dahin weht….
Und dann kommt noch das geliebte, aber nicht einfache Roßfeld hinzu. Wunderschön gelegen aber eindrehen ins Endteil nur 150 m vor dem Aufsetzpunkt. Da ist ziemlich wenig Zeit zum Überlegen. Und ja, ich weiß, „wenn du es hier kannst, dann kannst du es überall“. Also Geduld!
Und dann hat man mal was im Griff gehabt, vergehen wieder 2…3 Wochen bis zum nächsten Flug und man fängt wieder von vorne an. Verdammt noch mal, vor knapp 40 Jahren hätte ich das schneller gelernt!
Und doch, seit 2 1/2 Jahren kämpfe ich mich durch, alle Schwierigkeiten bekomme ich irgendwann doch in den Griff, auf einmal geht es. Auch dank unserer tollen Fluglehrer, die die nötige Geduld aufbringen und mit denen das Fliegen immer Spaß macht.
Letzten Sonntag war ich dann der einzige Flugschüler und auf einmal klappen auch die Landeeinteilungen und die Landungen ziemlich gut. Nach einigen Flügen mit 2 Lehrern und erstaunlich wenig Gemecker von hinten, fühle ich mich richtig sicher. So kann‘s die nächsten Wochen weitergehen damit ich doch auch mal zum Freifliegen komme.
Eigentlich ist der Flugtag schon am Ende, da kommt Chris, mein Fluglehrer heute, auf mich zu und fragt, ob ich nicht noch 3 Starts alleine machen will. Alle Fluglehrer und der Ausbildungsleiter Klaus sind sich einig, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist.

Mir schießen die Gedanken durch den Kopf: schon spät heute, den ganzen Tag 30°C im Schatten, müde, hungrig – sonst noch eine Ausrede? Jetzt oder nie. „Ja, ich mach’s“
Also los, genauso wie bei den anderen Flügen heute. Der Start klappt - war schon lange kein Problem mehr. Kurzer Flug, Landemeldung, Landeeinteilung klappt, abfangen, aufsetzen, ausrollen – geschafft! Wow der erste Alleinflug, wie geil! Noch zwei weitere Flüge.
Ich bin so konzentriert wie noch nie. Aller Bammel, den ich die letzten Jahre vor diesem ersten Alleinflug hatte, ist weg. Auch der zweite Flug klappt wie die anderen Flüge zuvor. Auch nicht schlecht, so alleine in der Luft. Der dritte Start und Flug wie immer, bis ich ums Waldeck zur letzten Landung auf die "25" komme. Am Ende der Landebahn steht der Duo neben der Piste! Ok kein Problem, musst du eben kurz landen. Anflug klappt und…. Plötzlich schepperts wie noch nie. Wieder abgehoben, wieder aufgesetzt, gerumpelt – was für eine miese Landung zum Schluß. Jetzt mal durchatmen. Dank an Alexander Schleicher, dass er seine ASK21 so robust gebaut hat! Die Kommentare der lieben Fluglehrer und Kollegen waren dann entspannter als befürchtet: „Da gab‘s schon schlimmere Landungen“. Und ganz langsam setzt sich die Freude und der Stolz durch: Ich hab`s geschafft – Freiflieger!
Herzlichen Dank an alle Fluglehrer!


Sven Thumm


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