Kurz vor Rückerswalde

Nachdem ich bereits etliche Flüge über 500 km absolviert habe, war das sportliche Ziel für die Saison 2020 klar: 600 km. Leider machte die Corona Situation zunächst einen Strich durch die Rechnung: den ganzen April und auch die ersten beiden Mai Wochen durfte kein Flugbetrieb stattfinden. Auch danach passte vieles oft nicht, so dass Anfang August in unserem Sommerfluglager im sächsischen Kamenz das angepeilte Ziel immer noch in weiter Ferne lag.

Donnerstagabend in Kamenz schaute ich kurz ins Wetter für Freitag, war so eher "na ja - man kann zwar fliegen aber nix weltbewegendes". Also wie so oft, nix geplant, einfach so in der Gegend rumgeflogen um dann am Abend zu denken "da wäre eigentlich viel mehr gegangen" und ein Blick in den OLC bestätigte dies auch. Abends beim Bier meinte dann mein Vereinskollege Benni, dass er morgen mit unserem Vereins Discus 2c FES 600 km in Angriff nehmen würde. Als Strecke hatte er sich, wenn ich mich richtig erinnere - Kamenz - Großrückerswalde - Lüsse - Gera - Kamenz ausgesucht. Da ich mich über mich selbst ärgerte, den heutigen Tag nicht richtig genutzt zu haben, warf ich auch noch einen Blick in die Karte, wie die 600 km geflogen werden könnten. Abends noch an Kamenz vorbei Richtung Süd-Osten zu fliegen, hielt ich allerdings für keine gute Idee, und dachte eher daran, statt bis Großrückerswalde weiter bis nach Auerbach zu fliegen und als nordöstlichen Wendepunkt Eisenhüttenstadt zu nehmen. Dies wären 620 km, allerdings kommen da wegen dem Leipziger und Berliner Luftraum noch ein paar Kilometer hinzu.

Morgens in der Startaufstellung "21" stand ich dann mit meiner Mosquito hinter Benni am F-Schlepp und startete kurz vor halb zwölf. Nach dem ersten Bart ging es zunächst Richtung Bautzen und von da aus Richtung Südwesten. Unterwegs verständigten wir uns zunächst darauf, doch bis Auerbach zu fliegen. Da sich die Wolken in dieser Richtung aber alle auflösten, gaben wir diesen Plan relativ schnell auf, und nahmen Kurs Richtung Norden mit dem Flugplatz Lüsse südwestlich vom Berliner Luftraum als Ziel.

Dass Benni auf diesem Teil der Strecke nur ca. 5 km vor mir war, war mir zu dem Zeitpunkt nicht bewusst. Für mich waren es gefühlt immer mindestens 20 km, die ich zurück hing. So ging der Flugweg über Großrückerswalde und  Chemnitz. Östlich unter der TMZ Dresden gab es zunächst noch einige kleinere Wolken, so dass ich mich eher in diese Richtung orientierte. Benni entschied sich für den Flug durchs Blaue. Allerdings bildeten sich im Blauen immer wieder kleine Flusen, die laut Benni zuverlässig funktionierten. So gab ich den Plan, mich eher an den Cumulus-Wolken zu orientieren, auf und schlug einen etwas nördlicheren Kurs ein. Da ich Benni nicht auf meinem FLARM sehen konnte, verlief mein Flugweg etwas östlicher, wodurch ich nach und nach immer weiter zurück hing, querab der Kontrollzone Holzdorf waren es dann über 20 km. Allerdings konnte ich danach wieder etwas aufholen. Vor der Autobahn kurz vor Lüsse unter einer riesigen schwarzen Wolke gab es über 5 m/s integriert, mein altes Zander Vario bekam bei der Tonausgabe Schnappatmung. Also auf direktem Weg schnell die Wende in Lüsse umrunden und danach zurück zu dieser Wolke, wo die Thermik immer noch zuverlässig stand, so dass ich wieder etwas aufschließen konnte.

Unser Flugweg
Unsere Flugwege, Benni in der LM pink, ich in der Y3 rot

Voraus Richtung Spreewald sahen die Wolken jetzt nicht mehr ganz so gut aus. Ich entschied mich, etwas nördlich an Lübbe vorbeizufliegen, meinte ich doch von unseren Kamenzer Gastgebern zu wissen, dass der Spreewald thermisch eher mau ist. Benni hingegen schlug einen etwas südlicheren Flugweg ein - was sich schnell als Fehler herausstellen sollte. Während ich konstant in über 2000m MSL fliegen konnte, musste Benni in 1400m einen eher schwachen Bart annehmen, und auf einmal war ich vor ihm. Benni orientierte sich dann auch wieder etwas in Richtung Norden und zum ersten Mal auf diesem Flug kurbelten wir gemeinsam im selben Bart, ich allerdings 600m über ihm. Weiter ging es westlich an Eisenhüttenstadt vorbei. Ein Blick auf meinen Rechner sagte mir unmissverständlich, dass noch 40 km für die angepeilte Strecke von 600 km fehlten, also flog ich weiter Richtung Frankfurt/Oder, wo die letzten Cumulus Wolken standen. Leider lösten sich die Wolken bereits auf, bevor ich dort ankam, es war kein Steigen zu finden. Weiter Richtung Norden war alles blau. Also musste ich mich etwas östlicher in Richtung des polnischen Flugplatz Rzpin orientieren. Dort standen noch Wolken, unter denen ich nach längerem Suchen auch tatsächlich wieder Steigen fand. Aus 2400 m ging es dann zurück Richtung Eisenhüttenstadt. Die Wolkenoptik sah jetzt allerdings nicht mehr so berauschend aus, viele Wolken waren am Auflösen, die Optik eher diffus, obwohl es erst 16:30 Uhr war.

Also hieß es ab jetzt: oben bleiben, Zeit zum Heimkommen war ja noch genug. Richtung Süden ging es vorbei an Cottbus Drewitz. Nordöstlich von Cottbus ging es dann nochmal bis auf 2400m MSL, bevor wir von dort aus den Endanflug auf Kamenz begannen. Dass ich den letzten Schenkel eher auf sicheres Heimkommen flog, machte sich auch am langsamsten Schnitt aller Schenkel bemerkbar: nur 88 km/h. Um 17:50 landete ich etwas erschöpft aber glücklich 8 Minuten nach Benni in Kamenz. Laut OLC betrug die geflogene Strecke 621 km.

Weitere Bilder von dem Flug gibt es in der Bildergalerie.


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