FreiflugChristophLangsam bewegt sich das Windenseil vor mir. Es ist der erste Start, bei dem der Sitz hinter mir leer ist. Der Fluglehrer, bisher mein Begleiter auf all meinen Flügen, begleitet mich zum ersten Mal nicht. Noch ein schneller Blick zum Helfer an meinem linken Flügel, der als Zeichen, dass das Windenseil stramm ist und der Start beginnen kann, den Arm senkt. Gleich darauf setzt sich die ASK 13 in Bewegung, das Fahrwerk rumpelt laut über die Wiese. Sekunden später wird es ruhig, als ich mit der Maschine vom Boden abhebe.

Ein kurzer Kontrollblick über den Flügle zur Seite, ich habe inzwischen ca. 40 Meter Höhe gewonnen und beginne den Steuerknüppel langsam nach hinten zu ziehen, um noch steiler zu steigen. Schnell zieht mich die Seilwinde nach oben. In ca. 400m über Grund wird mein Steigflug flacher, das Windenseil klinkt automatisch aus. Ich klinke dreimal nach, Trimme den Flieger aus, und stelle das elektrische Variometer laut, wie ich es bei all den Starts vorher gelernt habe.
Ich fliege eine Rechtskurve in Richtung Industriegebiet. Hier habe ich zusammen mit meinem Fluglehrer schon oft Thermik gefunden. Das Variometer signalisiert mir mit seinem tiefen Ton unmissverständlich Sinken. Inzwischen habe ich 100 m Höhe verloren. Ich kurve nochmal nach rechts, zurück in Richtung Flugplatz. Vielleicht löst sich entlang der Waldkante unter mir Thermik ab. Aber auch diesmal zeigt das Variometer mit seinem tiefen Ton nur Sinken.
Ich entschließe mich zu landen. "Delta Vier-Sieben im Rechten Gegenanflug auf die Zwo-Eins" melde ich über Funk. Ein knappes "Kamenz Start" quäkt als Bestätigung aus dem Lautsprecher. Wieder trimme ich den Flieger aus. Zwischen 90 und 100 km/h soll meine Geschwindigkeit im Landeanflug betragen. Ich drehe in den Queranflug und entriegele meine Störklappen. Rechts neben mir taucht die Landebahn auf. Noch ein Stück geradeaus und dann nochmal eine Kurve nach rechts in den Endanflug. Vor mir liegt die Landebahn. Ich bin zu hoch, schießt es mir durch den Kopf. Ich fahre die Störklappen ganz aus und konzentriere mich auf das Lande-T, das den Anfang der Landebahn markiert. Der Boden kommt schnell näher, ich kann die Störklappen wieder ein Stück einfahren. In 5 Meter Höhe bin ich am Anfang der Landebahn und fange an, den Abfangbogen zu fliegen. Weich setzt die ASK auf der Wiese auf. Ich fahre die Störklappen voll aus und ziehe das Höhenruder bis zum Anschlag durch, um noch ein Stück Richtung Startstelle zu rollen. Kaum bin ich ausgerollt und habe die Kabinenhaube geöffnet kommen auch schon die Helfer, um mich mitsamt dem Flugzeug zur Startstelle zu bringen.

Bereits als Kind fand ich die Flugzeugmodelle, die an der Decke meines Kinderzimmers hingen, absolut faszinierend. Beim Zusammenbau dieser Modelle dachte ich damals schon: "wenn ich groß bin, will ich selber mit so etwas fliegen". Als Jugendlicher besuchte ich mit meinem Vater diverse Flugtage, so z.B. in Böblingen und auch auf dem Roßfeld.
An einen dieser Flugtage, es war Anfang der 80-er Jahre, erinnere ich mich noch sehr genau, da brauste ein düsengetriebener Lear-Jet tief übers Roßfeld und ein Senkrechtstarter zeigte überm Wald seine Flugvorführung. Die Begeisterung fürs Fliegen ließ auch als Erwachsener nicht nach. Ich bin immer wieder zu den Flugtagen aufs Roßfeld gegangen. Die dort angebotenen Rundflüge, wo ich regelmäßig mitflog, waren jedes Mal ein ganz besonderes Erlebnis. Der Wunsch zu Fliegen war immer da, aber ich fand leider keinen Zugang zur Fliegerei.
Ein ganz banaler Herbstspaziergang auf der Alb brachte die entscheidende Wende: Ich ging zum Wurststand am Roßfeld um mich zu stärken und sah zufällig ein Plakat "Segelfliegen Flatrate". Dieses Plakat ging mir monatelang nicht mehr aus dem Kopf. Im folgenden Frühjahr bin ich dem Luftsportverein Roßfeld beigetreten und begann im zarten Alter von 50 Jahren meine Ausbildung im Segelflug. Mit Hilfe der vereinseigenen Fluglehrer, die allesamt ehrenamtlich tätig sind, machte meine Fliegerei Fortschritte, wenngleich auch viele der jüngeren Flugschüler, die meistens zwischen 14 und 25 Jahre alt sind, schneller lernten als ich. Deshalb möchte ich an dieser Stelle auch alle Interessierten ermuntern, so früh als möglich mit der Flugausbildung zu beginnen - man kommt einfach schneller voran.
Schon während der Ausbildung konnte ich viele schöne und auch lange Flüge mit Fluglehrer genießen.
Diese Erlebnisse wurden aber noch deutlich durch meine ersten Alleinflüge im Sommerfluglager im sächsischen Kamenz getoppt: Ein affengeiles Gefühl und die Erfüllung meines Kindheitstraums, wofür ich mich beim Verein und meinen Fluglehrern ganz herzlich bedanken möchte. Ich bin sehr gespannt, was das Fliegen noch so bringt ...

Euer Christoph.

 

Bild: Christoph in der ASK 13 mit Fluglehrer Heinz Nagel


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