Modellflug im LSV Roßfeld von den 50er Jahren bis heute

Schon vor dem 2. Weltkriegs wurden Ermstal und auf dem Roßfeld manntragend geflogen sowie auch Modellflug betrieben.
Gegen Ende des kriegsbedingten Flugverbots fangen die fliegerischen Aktivitäten im Ermstal mit dem gemeinsamen Bau von Flugmodellen wieder an. 1950 wurde der Luftsportverein Metzingen, 1951 der Luftsportverein Dettingen gegründet, beide Vereine schlossen sich 1970 zum Luftsportverein Roßfeld e.V. zusammen.
Bereits im Sommer 1951 findet auf dem Roßfeld auch ein erster Modell-Freiflugwettbewerb statt. Die Wettbewerbsmodelle heißen „Baby“, „Ikarus“, „Altsperber“, „Hast“, ..., gefertigt aus Buchen-, Kiefern- und Sperrholz, bespannt mit Papier.

Plan des A2-Weltmeistermodells
Bild: Plan des A2-Weltmeistermodells "Spinne" von Rudolf Lindner von 1955

Die Sparte Modellflug bzw. speziell der Modellfreiflugsport war von Anfang an fester Bestandteil bei den Metzunger Fliegern. Vor allem auch der sportliche Anspruch auf Wettbewerbs-Niveau zu fliegen war schon immer vorhanden.

Als 1952 aus dem Modellbauraum in der neu errichteten Fliegerwerkstatt in der Kiesgrube (Hauffstraße) das Fliegerheim „Zum grünen Kakadu“ wird, kommt das gemeinschaftliche Modellbauen zum Erliegen. Einige der bisherigen Modellbauer wenden sich dem Segelfliegen im LSV Metzingen zu, andere orientieren sich völlig neu. Übrig bleiben nur wenige Einzelkämpfer und Individualisten. Sie bauen ihre Modelle zu Hause, kommunizieren und fliegen miteinander jedoch wann immer möglich. Der Leidenschaftlichste unter ihnen ist Manfred Weichselfelder. Zu ihm stoßen 1953 Albert Riedlinger und Wolfgang Heide. Sie verschreiben sich dem Modell-Freiflug, fliegen zahlreiche Wettbewerbe, qualifizieren sich zunehmend und verlagern das Modellfliegen von der Hobby-Ebene in die Sport-Ebene. Ihre Spezialdisziplin ist die Klasse der Segelflugmodelle F1A. Später kommen die Klassen der magnetgesteuerten Hangflugmodelle F1E und der Saalflug, Klasse F1D, hinzu.

Eine vielschichtige Entwicklung haben am Ende der 50er Jahre die Modelle hinter sich. Nach der 1950 durch die FAI (Federation Aeronautique Internationale - Weltluftsportverband) weltweit gültigen Festlegung von Modellflugklassen, erlaubt vor allem das jetzt verfügbare Balsaholz aus Mittelamerika eine riesige Vielfalt an Gestaltungs- und Aufbau-Varianten

Anfang der 60er Jahre gelingen in der Klasse der Segelflugmodelle F1A, mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft, der Nominierung für die Nationalmannschaft und daraus resultierend der Sieg bei der Europameisterschaft, erste Sporterfolge.
Diese finden im Ermstal starke Resonanz und bescheren uns schließlich Ende 1963, nach intensiven Anstrengungen von Bürgermeister Eduard Kahl, dem damaligen LSV-Vorstand und dem Arbeitseinsatz von Modellfluggruppenmitgliedern, wieder eine eigene Modellbauwerkstatt. Sie grenzt an die Flug-und Fahrzeughalle des LSV in der „Kiesgrube“ und ermöglicht jetzt regelmäßige Gruppenabende und gemeinschaftliches Bauen. Unter fachkundiger Anleitung zieht dies vor allem jugendlichen Mitgliederzuwachs nach sich. Ehrgeiz fördert die Wettbewerbsteilnahmen, zunehmend stellen sich weitere Sporterfolge ein. Erste Wettbewerbe finden auf dem Salzwinkel bei Römerstein-Zainingen auf der Schwäbischen Alb statt, der bis heute eines unserer Trainingsgelände ist.

In den 70er Jahren waren die damaligen Metzinger Modellflieger organisations - und wettbewerbserfahren genug um 1974 die Europameisterschaft für magnetgesteuerte Hangfreiflugmodelle der Klasse F1E auszurichten. Gegen Ende der 70er Jahre begann eine neue Generation Jugendlicher mit dem Freiflug im LSV Roßfeld, die bis heute erfolgreich fliegt und dabei ist.
Bautechnisch hat sich bei den Freiflug-Wettbewerbs-Modellen der mit Balsaholz ganznasen-beplankte Tragflügel mit Doppel T-Holm, der sog. "D-Box", durchgesetzt. Erste glasfaservertärkte Bauteile sind zu sehen. Seit 1970 werden ideenreich Kreisschlepphaken entwickelt und bereits zuverlässig eingesetzt.

Das Ereignis der 80er Jahre mit besonderem Gewicht ist 1984 der Einzug in die neue Modellbauwerkstatt im ehemaligen "Haus für alle" in Metzingen. In idealer Nähe zum ebenfalls neuen LSV-Fliegerheim "Zum grünen Kakadu" wird sie mit Begeisterung angenommen und erlaubt effektives Arbeiten, wird zur Ideenschmiede, ist Domizil und Ausgangsort aller Aktivitäten.
Diese positiven Voraussetzungen und die Aufbauarbeit der zurückliegenden Jahre tragen dann Früchte: Ein hochmotiviertes jugendliches Team baut und fliegt wieder auf hohem Niveau, erzielt national und international vielbeachtete Sporterfolge, wie z.B. ab 1987 den dreifachen Gesamtweltcupsieg von Stefan Rumpp in der Klasse F1A. Die Gruppe ist auf 15 begeisterte Modellbauer und Wettbewerbsflieger herangewachsen.

Die 90er Jahre und das Jahr 2000 bringen vor allem werkstoffseitig und technologisch viele Neuerungen in den Modellfreiflug. Kohlefasergurte verdrängen zunehmend die Kiefernhauptholme, Kohlefaserrovings verstärken Balsarippen, die Balsa - D-Box weicht der Kevlarfaser- D-Box und Luftschrauben sind kohle - oder kevlar-faserlaminiert. Auf der mechanischen Seite gehören Kreisschlepphaken, Winkeldifferenz-Steuerungen und Verstell-Luftschrauben nun zur Standardtechnik.

Hochstarthaken Stefan Rumpp
Bild: Servo gesteuerter Hochstarthaken für F1A, konstruiert und gefertig von Stefan Rumpp

Vor allem aber die Vielzahl an sportlichen Erfolge auf allen Ebenen bei Junioren und Senioren vermehren sich bzw. halten an zeigen die ganze Klasse der Metzinger Roßfeld-Freiflieger auf Wettbewerbsebene. So wurde Dietrich Sauter 1994 Europameister in der Kalsse F1A in Kiew/Ukraine.

Der Trend, beim Bau von Hochleistungs-Wettbewerbsmodellen die altbewährten Basiswerkstoffe wie Balsa, Kiefer, Sperrholz, Leim und Papier durch Glas-, Kevlar-, Kohlefasern, Harz und Folien zu ersetzen, hält an. Die Modelle werden bei gleichem Baugewicht fester und torsionssteifer, verziehen sich kaum noch. Bruchlasten von Kohlefaserverbund-Hauptholmen betragen ein Vielfaches herkömmlicher Kiefernholmkombinationen. Mechanische Hochstarthaken-Systeme sind zu multifunktionalen Elementen gereift.
Parallel gelang es Stefan Rumpp jedoch nun auch als einem der weltweit Ersten, Steuerabläufe nach dem Ausklinken der Hochstartleine nicht mehr mit mechanischem Zeitschalter sondern einem elektronischen vorprogrammierten Timer auszulösen.

Durch die Erweiterung der Outlet-City Metzingen zogen wir im Jahr 2006 unsere Werkstatt erneut um und sind nun bis heute im neuen Gebäude "Zum grünen Kakadu" des LSV Roßfeld im Frauengrund in Metzingen beheimatet.
Seit vielen Jahren können wir neben dem Gelände auf dem Salzwinkel dank der Gastfreundschaft des FSV Ammerbuch auch auf dem Sonderlandeplatz in Poltringen trainieren. Leider ist unser Roßfeld wegen seiner Lage direkt an der Albkante zur Ausübung des Modell-Freiflugs ungeeignet.
Auch im neuen Jahrtausend geht die technische Entwicklung im Freiflug weiter und unsere sportlichen Erfolge halten an.
Mit unseren Spezialisten in der Faserverbund-Werkstofftechnik sind wir mittlerweile als "baden-württembergische High-Tech-Schmiede" bekannt. Manches was in unserer Werkstatt erdacht, konstruiert, gefertigt, auf dem Flugfeld erprobt und im Wettbewerb eingesetzt wird, findet inzwischen weltweite Anerkennung und Verwendung.

Seit 1970 tragen wir jährlich am Himmelberg bei Melchingen auf der Schwäbischen Alb regionale oder überregionale Wettbewerbe für magnetgesteuerte Hangflugmodelle Klasse F1E aus und sind Mitträger von Deutschen Meisterschaften und Qualifikations-Wettbewerben in der Ebene. Dazu sind seit vielen Jahren mehrere von uns in Fachausschüssen der Verbände als Mitarbeiter und Funktionsträger aktiv.


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