Reisebericht 27.–29. März 2026

Eigentlich waren wir zu viert geplant – am Ende sind wir zu dritt geflogen: Timo, Tobi und Maik.
Ein Vereinskollege musste kurzfristig passen.
Der Hauptgrund unserer Reise war klar: Riga – genauer gesagt Smart Aero. Dort entsteht unser neues Ultraleichtflugzeug, die Belmont. Und wenn man schon fürs eigene Flugzeug ins Baltikum fliegt, nimmt man die Stadt natürlich als Bonus mit. Das Beste daran: Das Wetter war hervorragend – Riga hat sich von seiner besten Seite gezeigt.

Bild1 unsere Belmont
unsere Belmont

Freitag: Werkstatt statt Sightseeing – und dann Pizza mit dem Importeur

Nach der Landung ging es zügig mit Bolt zur Werkstatt. Und dann standen wir auch schon mitten im Herzstück der Reise.
Vor Ort trafen wir Chris Aumüller, den Belmont-Importeur mit exklusivem Vertrieb in der DACH-Region, und Juris Libmanis, den Smart-Aero-Besitzer. Juris nahm sich viel Zeit und führte uns durch die Fertigung – und spätestens da war klar: Das ist keine anonyme Serienproduktion, sondern eine echte Manufaktur.
Die Belmont entsteht in einer ehemaligen Textilfabrik – ein Gebäude mit viel Industrie-Charme. In diesem Umfeld arbeitet ein Team von ungefähr 20 Mitarbeitern an den Flugzeugen. Besonders beeindruckend: Juris fertigt sehr viele Teile selbst – Metall, GFK, CFK – dazu extrem viel Handarbeit. Man spürt: Hier wird nicht „zusammengeschraubt“, hier wird gebaut.
Und dann das Wichtigste: unser eigenes Flugzeug – wenn man davor steht, ist das nochmal eine ganz andere Dimension.
Aktueller Stand unserer Belmont:
● Rumpf, Flügel und Leitwerke fertig
● Cowling und Haube montiert
● Motor montiert: Rotax 914 (Turbo)
● Schleppkupplung ist ebenfalls bereits dran – unsere Belmont wird die erste in dieser Konfiguration
● Nächster großer Schritt: Lackierung
Ein echtes Highlight war außerdem, dass wir Details final abstimmen konnten – zum Beispiel Panel und die Anordnung der Bedienelemente. Kleine Randnotiz: Maik hat „lange Beine“ als Designanforderung angemeldet – Platz ist schließlich auch ein Sicherheitsfeature.

Werkstatt
Werkstatt
Belmont-Details
Pizza / Abendstimmung
Hotel

Samstag: Riga als Bonusprogramm – Markt, Motoren, Aussicht und ein perfekter Abend

Am Samstag haben wir Riga richtig „aufgemacht“ – bei bestem Wetter. Die für Samstag geplanten Probeflüge mussten wir kurzfristig streichen: Eine Luftraumsperrung per NOTAM im Rahmen einer militärischen Übung machte das unmöglich. Schade – aber wer fliegt, kennt’s: Man plant, bewertet, entscheidet – und nimmt dann eben den besten Plan B.
Erste Station: der Riga Central Market. Das sind nicht einfach Markthallen – das ist ein Stück Stadtgeschichte, riesig, lebendig und perfekt, um sich durchzuprobieren und das lokale Leben aufzusaugen.
Danach ging es ins Riga Motor Museum – ein Volltreffer für alle, die Technik lieben. Und seien wir ehrlich: Als Hobbypiloten haben wir bei mechanischer Präzision und sauberer Ingenieurskunst ohnehin eine gewisse Schwäche.

 

Motor Museum

Als nächstes stand noch ein Aussichtspunkt auf dem Programm: die Aussichtsplattform der Lettischen Akademie der Wissenschaften. Von oben bekommt man ein sehr gutes Gefühl dafür, wie Riga „funktioniert“ – Altstadt, Fluss, Stadtachsen.

Aussicht Akademie der Wissenschaften

Und dann kam der perfekte Abendabschluss: erst hoch zur Petrikirche für den Blick über die Altstadt, dann ein kurzer Stopp bei den Bremer Stadtmusikanten (Pflichtfoto!) und anschließend sehr gut essen im Domini Canes. Genau die Mischung, die so ein Wochenende rund macht: tagsüber Stadt & Technik, abends Aussicht & Genuss.

Petrikirche Aussicht / Abendlicht
Bremer Stadtmusikanten
Domini Canes

Sonntag: Aviation Museum – rauer Charme, große Faszination

Bevor es zurückging, stand noch ein Punkt auf der Liste, der für Luftfahrtfans fast schon
obligatorisch ist: das Riga Aviation Museum. Und ja – das ist ein sehr spezieller Ort.
Das Museum ist komplett Open Air und hat stellenweise den Charme eines Flugzeug- Schrottplatzes: Einige Exponate wirken, als würden sie langsam der Witterung nachgeben. Aber genau das macht es auch eindrucksvoll – man steht extrem nah dran, sieht Details, Patina, Geschichten. Und die Sammlung ist hochinteressant: verschiedenste russische Flugzeuge und Hubschrauber, die man nicht alle Tage aus dieser Nähe sieht.
Weil das Wetter so gut war, haben wir den Sonntag außerdem für einen Abstecher ans Meer genutzt: Jūrmala mit Strandspaziergang, frischer Luft und dem obligatorischen Gruppenfoto – ein perfekter, entspannter Abschluss, bevor es wieder Richtung Flughafen ging.

Aviation Museum: Open Air
Gruppenfoto Jūrmala Strand

Was als Nächstes kommt: Von der Lackierung bis aufs Rossfeld

„Sportwagen-Moment“: so ähnlich wird unsere

Die Reise war nicht nur „schauen und staunen“ – sie hat auch den Blick nach vorn geschärft. Der Plan für die nächsten Schritte ist klar:
1. Lackierung
2. Einbau Avionik und komplettes Interieur – edles Leder, Sportwagen-Look
3. Endmontage
4. Abnahmeflug
5. Überführung nach Deutschland
6. Deutsche Stückprüfung, Abnahme und Zulassung
7. Einweisung einer Vereins-Delegation in Bautzen (Standort Chris)
8. Überführung der Belmont zu uns aufs Rossfeld
9. Vereinsinterne Einweisungen und Aufbau der Routine
Die Belmont wird den Rossfeld Flugzeugpark spürbar erweitern. Unsere C42 ist sehr stark ausgelastet – und mit der deutlich höheren Reisegeschwindigkeit der Belmont eröffnen sich für uns zusätzliche Möglichkeiten: weitere Ziele, effizientere Strecken, mehr Flexibilität. (Liebevoll gesagt: Wir fliegen aktuell den „Golf“ unter den ULs – die Belmont ist eher der Sportwagen. Und genau so werden wir sie auch behandeln: Schritt für Schritt, sauber, sicher.)
Die F-Schlepp-Erprobung kommt erst später. Wir werden erst einige Monate Erfahrung mit der Belmont sammeln, bevor wir an das Schlepp-Thema gehen.

Fazit

Unser Fazit ist eindeutig: Die Reise war ein Volltreffer. Das größte Highlight war natürlich, das eigene Flugzeug im Bau zu sehen – und dabei zu erleben, wie viel Handarbeit, Know-how und Motivation in dieser Fertigung steckt. Dazu kamen die Menschen: Juris, Chris und viele hochmotivierte Mitarbeiter, die uns offen alles gezeigt und erklärt haben. Auch das Hotel war insgesamt sehr gut gelegen und angenehm – einzig das Frühstück war im Vergleich zum Rest ausbaufähig.
Für uns als Verein fühlt sich dieses Projekt nach dem Wochenende in Riga noch greifbarer an:Die Belmont wird nicht nur ein weiteres Flugzeug, sondern ein gemeinsamer Schritt nach vorn. Sie erweitert unseren Flugzeugpark, entlastet die C42 und eröffnet uns durch ihre höhere Reisegeschwindigkeit ganz neue Möglichkeiten. Die Vorfreude ist groß – und wir freuen uns darauf, die nächsten Meilensteine gemeinsam zu gehen: von Lack und Avionik bis zur Einweisung, den ersten Vereinsflügen und schließlich dem Alltag am Rossfeld.


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